Expertenrunde Thema: "Rentensystem"

MDR - Umschau, 22.06.1999; Teilnahme am Zuschauertelefon Das Rentensystem ist krank. Immer weniger Beitragszahler müssen für mehr Rentner zahlen.
1960 kamen noch 4 Arbeitnehmer für die Beiträge eines Rentners auf, heute ist das Verhältnis schon zwei zu eins. Im Jahr 2040 wird das Verhältnis...

eins zu eins sein, allerdings bei einem Beitragssatz von 26 Prozent!

Arbeitsminister Riester und Bundeskanzler Schröder wollen die Rente reformieren. Unter anderem soll die Rentenerhöhung in den kommenden zwei Jahren nicht mehr an die Nettolohnerhöhung gekoppelt sein, sondern nur noch um
die Prozentpunkte der Preissteigerung.

Wut und Angst sind die Folge, sowohl bei denjenigen, die schon Rente beziehen als auch bei denen, die noch jahrelang einzahlen werden und doch nicht wissen, ob sie selbst noch etwas aus dem Rententopf erhalten. Der
Generationenvertrag steht auf dem Prüfstand.

In der gesetzlichen Rentenversicherung wird die Rente immer schlechter. Rentner des Geburtsjahrganges 1930 bekommen für eine eingezahlte Mark nur noch 3,63 Mark heraus. Beitragszahler des Jahrgangs 1940 nur noch 2,81. Die heutigen Berufsanfänger werden für eine eingezahlte Mark nur noch 1 Mark herausbekommen. Rendite gleich null.

Bei einer guten Kapitalanlage, durch steuer- und sozialabgabenfreie Beiträge finanziert, wäre den künftigen Rentnern viel mehr zurückgeflossen, als beim jetzigen Umlageverfahren. Doch der durchaus kluge Einstieg in
eine kapitaldeckende Rente wurde verspielt, weil ausgerechnet ein Ex-Gewerkschaftler nur die Arbeitnehmer, nicht aber die Arbeitgeber zur Kasse bitten wollte und so das Solidarprinzip missachtete.

Nachdem die neue Regierung die als sozial ungerecht verschrieene Rentenreform kurzerhand gekippt hat, macht sie nun genau das Gleiche. Riester plant, die Rentenentwicklung für 2 Jahre von der Nettolohnentwiklung
abzukoppeln. Zwei Jahre gibt es für Rentner nur den Inflationsausgleich.

An andere Tabus wagt sich Riester nicht heran. Beamte und Selbstständige werden in die Reform nicht mit einbezogen. Ein Blick in die Schweiz zeigt, dass es geht: keine Beitragsbemessungsgrenzen und die Einbeziehung von Selbstständigen und Beamten sorgen für eine breitere Verteilung der Rentenlast und für mehr Solidarität zwischen arm und reich.

FAZIT: Ein neuer Reformvorschlag muss her, auch wenn er noch etwas Zeit braucht. Aber durchdacht und vor allem gerecht muss er sein!

Weiterführende Informationen und allgemeine Erläuterungen zum Thema finden Sie auf:

Bundesarbeitsministerium:
http://www.bma.bund.de

Bundesversicherungsanstalt für Angestellt
http://www.bfa.berlin.de